Nachwuchsdesignerin 2010: Elisa Strozyk

Am Freitag, 12. Februar 2010 um 12:30 Uhr wurde das gut gehütete Geheimnis gelüftet: Den mit 8.ooo Euro dotierten Nachwuchs-Designpreis 2010 erhält Elisa Strozyk. Die ambitionierte Textildesignerin wurde für ihr herausragendes Portfolio ausgezeichnet. 

"Ich hinterfrage das Alltägliche, interpretiere neu, setze das Gewohnte in einen neuen Kontext."

 

Diesen klassischen Ansatz des Designs verfolgt Elisa Strozyk konsequent. Die 1982 geborene Berlinerin studierte Textil- und Flächendesign an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee und schloss im Jahr 2009 mit dem Masterdegree im Studienfach Future Textiles am Central St. Martins College in London ab. Während ihres Studiums war sie für verschiedene Unternehmen tätig, u.a. Samsonite in London und p van b Wallpapers in Berlin.

 

Von 2007 bis 2009 arbeitete sie als Freelancer bei der The Circus Gbr. Während ihres Studiums begann die Textildesignerin mit Holz zu experimentieren und entwickelte daraus ihr aktuelles Projekt „Wooden textiles“. Darin lässt sie zwei diametrale Komponenten, Holz und Textilien, aufeinandertreffen und zeigt, dass diese Kombination ästhetisch als auch komfortabel ist. Kleine geometrisch angelegte Holzstücke ergeben in ihrer Zusammensetzung eine bewegliche Oberfläche, die als Teppich, als Tischdecke verwendet, oder in Möbelstücke integriert werden kann.

 

www.elisastrozyk.de

Die Finalisten:

Mathias Hahn

„Funktionalität, Integrität von Materialien und eine Spur Menschlichkeit sind wohl nach wie vor die Attribute, die es ermöglichen, selbst dem alltäglichsten Artefakt Wertschätzung entgegenzubringen und somit auch einen Unterschied im Sinne der Nachhaltigkeit zu bewirken."

 

Mathias Hahn, geboren 1977, studierte zunächst Industrie Design an der Universität Duisburg-Essen. Zurzeit lebt er in London. Dort hat er 2006 am Royal College of Art seine Masterprüfung abgelegt. Während seines Studiums absolvierte er ein Praktikum bei Volkswagen Design in Wolfsburg und war u.a. als freier Mitarbeiter bei der Tom Dixon Design Research Ltd. in London tätig. Er ist Gründungsmitglied des OKAY Studios in London und arbeitet freiberuflich als Berater für Kohler Europe.

 

Mathias Hahn interessiert sich vor allem für die Dinge und die Beschaffenheiten des tagtäglichen Lebens. Sein Fokus gilt der Integrität und der Lebensdauer dieser Produkte, die er in Opposition zu unserer vermeidlich modernen und rasanten Konsumgeschwindigkeit betrachtet. Einfache Techniken und Materialen gepaart mit einfachen mechanischen Prinzipien und Funktionen. Auf der IMM In Köln wird seine Leuchte Lantern in der Kollektion von Ligne Rose der Öffentlichkeit präsentiert.

 

www.mathiashahn.com

Yvonne Fehling / Jennie Peiz

"Unsere Herangehens- und Umgehensweisen haben etwas Widersprüchliches, sie folgen keiner Regel. Wir schöpfen aus Komplementärem, wir bilden Komplementäre. Scheinbar Widersprüchliches ergänzt sich. Wir machen etwas, das weit über die eigentliche Funktion hinausgeht."

 

Nach einer Ausbildung als Schreinerin begann die 1972 geborene Yvonne Fehling das Studium des Produktdesigns an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und schloss dieses 2007 ab. Während dieser Zeit sammelte sie über Praktika und Arbeitsaufenthalte praktische Erfahrungen u.a. bei Marcel Wanders in Amsterdam sowie bei Collin Ross und Young Lin in Taipei und China. Jennie Peiz, geboren 1976, wechselte 1999 an die HfG nach Karlsruhe und absolvierte Praktika und Auslandsaufenthalte in u.a. Rotterdam, Sydney, Neu Delhi und London. Seit 2006 sind beide selbstständig und betreiben gemeinsam in Karlsruhe ein Laden-Atelier. Neben der Produktgestaltung wie der „Stuhlhockerbank“, einer Sitzkombination aus Hockern, Stühlen und Bänken, deren unterschiedlichen Modelle miteinander kombiniert eine unendlich lange Sitzgelegenheit ergeben kann, sowie Taschen und Leuchten entwickeln die beiden Jungdesigner Ausstellungskonzepte.

 

Hervorstechend ist das Projekt „No Coffee, No Tea“, welches in Kooperation mit den externen Designern Peter Schäfer und Matthias Leipholz für die Internationale Messe Frankfurt „Ambiente“ 2009 konzipiert wurde. Die Ruhezone auf der größten Konsumgütermesse der Welt wurde aus verschiedenen Sitzmöbeln diverser Frankfurter Einrichtungen zusammengestellt. „Das Herauslösen und Einfügen der „Leihgaben“ von Cafés, Hotels, Nachtclubs, Ausstellungs- und Geldinstitutionen forderte bis zuletzt eine kreative Auseinandersetzung vor Ort mit Vorhandenem und Unvorhersehbarem. So entstand eine zeitweilige Collage als Brückenschlag zur realen Außenwelt."

 

www.kraud.de

Mark Braun

„Im Wesentlichen interessiert mich die Schnittstelle Produkt – Mensch, die damit verbundene Auseinandersetzung mit Fragestellungen zu den Themen Wahrnehmung, Gesellschaft, Kultur und nicht zuletzt Funktion. Das ist der theoretische Background meiner Arbeit und die Quelle der Kreativität.“

 

Mark Braun wurde 1975 geboren und studierte Produktdesign an der Fachhochschule Potsdam. Während seines Studiums besuchte er für einige Zeit die Design Academy Eindhoven, sowie den Fachbereich Keramik- und Glasdesign an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design, Halle. 2006 gründete Mark Braun sein eigenes Studio in Berlin. Seit 2007 lehrt er zudem im Fachbereich Industriedesign an der Hochschule für Kunst und Design, Halle. In freien Projekten arbeitet er für verschiedene Unternehmen und Institutionen. Seine Produkte Schalenset eins, Die Berliner und KLUWEN sind bei Raumgestalt, das Porzellan-Set FUSION ist bei ASA Selection in Produktion. Mark Brauns Produkte sind nicht nur rein funktional, sie erzählen eine Geschichte. So entsteht ein Mehrwert an der Schnittstelle Produkt - Mensch, der in der Wahrnehmung des Produkts zur individuellen Identifikation führt und Wertschätzung sowie Nachhaltigkeit fördert.

 

Sein Design orientiert sich weniger an Trends oder kurzweiliger Steigerung von Konsumverhalten. Vielmehr nimmt es einerseits einen Bezug auf die Reflektion gesellschaftlicher Themen und Problemstellungen und andererseits auf die pure Schönheit von in Form und Funktion gebrachtem Material. Dieses lässt seine im Jahr 2007 entworfene Leuchte „Lingor“, die seit diesem Jahr von Authentics produziert wird, deutlich erkennen.

 

www.markbraun.org

Matthias Ries

"Der rote Faden, der sich durch meine Entwürfe und Projekte zieht, zeigt sich nicht an deren Oberfläche, sondern durchwirkt die Projekte im Inneren. Ihnen gemeinsam ist die Lust nach Mehrwert, Nachhaltig- und Detailgenauigkeit. Neue Aufgaben erfordern flexible Lösungen, die es verbieten, sich rein formalen Beschränkungen zu unterwerfen."

 

Matthias Ries, geboren 1979, lebt in Berlin und studierte in Karlsruhe Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung. Praktika absolvierte er bei Luigi Colani, Stephen Burks und TODA in New York. Im Jahre 2006 gründete er das Matthias Ries Design Office und ist in den Bereichen Konsumgüter- und Möbeldesign tätig.

 

Die Arbeiten von Matthias Ries wurden u.a. bereits mit dem "iF Concept Award", dem "Blickfang Design Award" und dem "TROIKA Junior Design Award" ausgezeichnet. Sein aus dem Jahre 2008 stammendes Wandregal Piegato besteht aus Stahlblech und weist eine erstaunlich hohe Tragkraft von bis zu 10 kg pro Regalboden vor. Mit diesem Produkt hat Matthias Ries seine Philosophie umgesetzt. Eine flexible Lösung, die sich detailgenau und nachhaltig auf das Wesentliche konzentriert.

 

www.matthiasries.com

Der Nachwuchspreis

Mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland wird ab 2010 jährlich eine dotierte Auszeichnung für einen herausragenden Nachwuchsdesigner vergeben. Ziel des Preises ist es junge Gestalter in der Phase nach der Ausbildung nachhaltig zu unterstützen und zu fördern.

 

Voraussetzung für die Teilnahme ist ausschließlich ein Nominierungsvorschlag durch die Wirtschaftministerien und -senatoren der Länder oder durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Teilnahmeberechtigt sind Designer aller Gestaltungsrichtungen mit einem Hochschulabschluss. Dieser Abschluss darf nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Teilnehmen können Einzelpersonen sowie Designbüros mit mehreren Designern.

 

Die Jurymitglieder wählen aus allen gültigen Einsendungen fünf Finalisten aus, die zur Preisverleihung im Februar 2010 nach Frankfurt eingeladen werden. Dieses Forum soll den Nachwuchsdesignern eine Plattform bieten, sich direkt und gezielt mit Vertretern aus designorientierten Unternehmen, Designbüros, Presse und Politik auszutauschen sowie Netzwerke zu bilden.

 

Der Nachwuchsdesigner des Jahres wird bei der Preisverleihung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland am 12. Februar 2010 verkündet. Er erhält eine dotierte Auszeichnung in Höhe von 8.000,- EUR.