X. Triennale Mailand 1954. Deutsche Abteilung, Architekt Egon Eiermann. Fotografie: Eberhard Tröger, 1954. Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung.

60 Jahre Designkultur: Die Geschichte des Rat für Formgebung

X. Triennale Mailand 1954. Deutsche Abteilung, Architekt Egon Eiermann. Fotografie: Eberhard Tröger. Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung.

Die Geschichte des Rat für Formgebung ist mit der Historie deutscher Designkultur eng verbunden und prägte sie entscheidend mit. Seit Jahrzehnten stärkt er die internationale Reputation deutschen Designs, belebt die Designdebatte und berät namhafte Unternehmen und Marken. Als „die Designinstanz Deutschlands“ steht er heute für einen ganzheitlichen Designbegriff, der gleichermaßen kulturelle wie wirtschaftliche Werte umfasst.

Historie Ein Rückblick auf 60 Jahre Designkultur

Wir nehmen Sie mit auf einen kurzen historischen Rückblick zu der Entstehungsgeschichte des Rat für Formgebung.

Design als Brücke zur Welt 1953–1956 Das kulturelle Deutschland: weltoffen und modern

Mit Gründung des Rat für Formgebung kommt Bewegung in die deutsche Designlandschaft. Zur Geschäftsführerin wird die deutsche Designvermittlerin und -Beraterin Mia Seeger berufen.

Das erste große Projekt ist die Beteiligung an der X. Mailänder Triennale im Jahr 1954. Auf rund 500 qm wird gemeinsam mit dem Architekten Egon Eiermann eine Ausstellung entwickelt, die die Bundesrepublik Deutschland in die internationale Staatengemeinschaft reintegrieren soll. Präsentiert werden nicht nur die Entwicklungen von Industriedesign, Architektur und Kunsthandwerk, sondern auch Arbeiten der freien Kunst.

Designausstellungen in aller Welt gehören in den nächsten Jahrzehnten zum Kerngeschäft des Rat für Formgebung.

Gastfreundlich Dialog & Austausch: 1957-1962

1957 ruft der Rat für Formgebung unter der Schirmherrschaft von Ludwig Erhard erstmals einen internationalen mehrtägigen Fachkongress ins Leben. Mehr als 200 Teilnehmer finden sich ein, um über die Themen "Gute Formen schaffen und verbreiten" und "Die Verantwortung des Unternehmens für die Formgebung" zu diskutieren.

In den sechziger Jahren wird - analog zum gesellschaftlichen Diskurs - auch das Design und seine Aufgabenstellung hinterfragt. Es beginnt eine Debatte um Funktionalismus und den Wissenschaftsanspruch der Disziplin.

Zugleich wächst in der Öffentlichkeit das Interesse an gutem Design.

 

 

Offene Märkte Design wird ausgezeichnet: 1963-1969

"In den fünfziger Jahren hatte die deutsche Gebrauchsgüter-Industrie hauptsächlich für den Binnenmarkt produziert und den riesigen Nachholbedarf befriedigt. In den Sechzigern öffneten sich die Märkte. Der beginnende Export war eine Herausforderung und eine Bewährungsprobe auch für das Design."
Dieter Rams (1988-1998 Präsident des Rat für Formgebung und seitdem Ehrenmitglied).

1969 wird erstmals der Bundespreis "Gute Form" verliehen. Organisiert vom Rat für Formgebung und gestiftet vom Bundesministerium für Wirtschaft, um der wachsenden Bedeutung des Designs Tribut zu zollen.

 

 

768 Kriterien Ist Design messbar? 1970-1983

In den siebziger Jahren steht die Bewertung von Design im Vordergrund. Aber nach welchen Kriterien und Maßstäben soll man Produkte und Kommunikation bewerten? Der damalige fachliche Leiter des Rat für Formgebung, Herbert Ohl, entwickelte eigens ein ausgeklügeltes Beurteilungsverfahren, bei dem jedes eingereichte Produkt nach nicht weniger als 768 Kriterien bewertet wird. Es soll ein möglichst objektives und aussagekräftiges System zur Bewertung insbesondere von Industrieprodukten sein, deren Design die Fachpresse stärker als je zuvor Beachtung schenkt.

 

 

Designdialog Über politische Grenzen hinweg: 1984-2000

Seit seiner Gründung hat der Rat für Formgebung den Designdialog über politische Grenzen hinweg vorangetrieben. Die 1984 in Berlin (Ost) und Leipzig gezeigte Ausstellung "Design - Vorausdenken für den Menschen" zeigt, wie groß das gegenseitige Interesse an einem deutsch-deutschen Designdialog damals ist.

Nach dem Mauerfall 1989 folgen die Jahre der Wiedervereinigung. Deutschland wächst zusammen, langsam. Die Wanderausstellung "Formwende - Design in Deutschland" durch einige ostdeutsche Städte im Jahr 1991 verweist auf die unterschiedlichen Ansätze im Designverständnis eines jahrzehntelang geteilten Deutschlands.

 

 

Wettbewerb Differenzierung der Marken und Produkte: 2002-2017

Nach der Jahrtausendwende müssen sich die Unternehmen, ob Weltkonzern oder mittelstädisch, einem nie zuvor erlebten Wettbewerb stellen und suchen, vor dem Hintergrund der zunehmenden Austauschbarkeit, nach probaten Instrumenten zur Differenzierung ihrer Marken und Produkte.

Heute, 60 Jahre nach seiner Gründung, gibt der Rat für Formgebung als eine der weltweit führenden Design-Institutionen. Aus dem kleinen Kreis der Gründungsstifter hat er sich zu einer einzigartigen Organisation mit zahlreichen Mitgliedern aus den Bereichen Wirtschaft, Design, Verbänden und Institutionen entwickelt. Sie alle fühlen sich einem Designbegriff verpflichtet, der geeignet ist, sowohl kulturelle als auch wirtschaftliche Werte zu schaffen.

Mehr dazu im Markenbuch zu 60 Jahre Designkultur

Signet-Entwürfe von Anton Stankowski

Das Logo des Rat für Formgebung kann auf eine beinahe ebenso lange Traidtion zurückblicken wie die Insitution selbst: 1960 wurde es vom Graphikdesigner Anton Stankowski entwickelt.

"Also habe ich ein paar Entwürfe gemacht, sowohl in die eine Richtung als auch in die andere Richtung; und wir berieten dann gemeinsam, welche zu forcieren wäre. Ich stellte dabei den Aspekt in den Vordergrund, dass der Rat für Formgebung nach innen und nach außen zu wirken hatte – deswegen diese zwei Richtungen der Form." (Anton Stankowski)