German Design Council Foundation

Abschied von einem Generalisten. Wir trauern um Hansjerg Maier-Aichen

Der German Design Council trauert um Hansjerg Maier-Aichen. Der Designer, Unternehmer und das langjährige Präsidiumsmitglied der German Design Council Foundation starb am 2. Mai 2026 im Alter von 86 Jahren in Brest, Bretagne. Mit der von ihm gegründeten Marke Authentics hat er bewiesen, dass Designqualität und Alltagstauglichkeit kein Widerspruch sind.

Hansjerg Maier-Aichen, genannt Hans, wurde 1940 in Stuttgart geboren. Er studierte Malerei und Bildhauerei in Deutschland, Frankreich und den USA. Eine Ausbildung, die sein Denken zeitlebens formte: interdisziplinär und neugierig. Er war, was im Designbetrieb selten geworden ist, ein überzeugter Generalist.

1983 gründete er Authentics und bewies damit, dass industriell gefertigte Alltagsobjekte Designqualität, Funktionalität und Beständigkeit vereinen können. Wo andere in Kunststoff ein billiges Wegwerfmaterial sahen, erkannte Maier-Aichen ein vielseitiges, formbares Medium mit gestalterischem Potenzial. Exemplarisch dafür steht der LIP Papierkorb: ein präziser Zylinder mit einem leichten Überstand am oberen Rand – funktional begründet, formal konsequent, zeitlos. Ein Alltagsgegenstand, dem man ansieht, dass er durchdacht wurde. Authentics wurde zum Beleg für eine Überzeugung: dass gutes Design keine Frage des Preises ist, sondern des Anspruchs.

Von 1997 bis 2013 war Hans Maier-Aichen Mitglied des Präsidiums der Stiftung Rat für Formgebung, heute German Design Council Foundation. In dieser Rolle brachte er jene Haltung ein, die sein gesamtes Schaffen prägte: den Anspruch, Design als strategische und gesellschaftliche Kraft zu verstehen. Nicht als Dekoration, sondern als Substanz.

Er lehrte als Professor für Produktdesign an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Als Autor, Kurator und Berater für internationale Institutionen und Unternehmen wirkte er weit über die Hochschule hinaus. Die Förderung junger Talente war ihm dabei ein besonderes Anliegen: So engagierte er sich für die New Talents der Frankfurter Messe Ambiente und leitete dort persönlich Führungen durch die Nachwuchsausstellung.

Nach seiner Emeritierung kehrte er zu seinen Anfängen zurück, zur Bildhauerei. Er lebte in der Bretagne, in Beg-Meil, und arbeitete bis zuletzt. Am 2. Mai 2026 starb er in Brest.

Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden.

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