XU Tiantian

Wie können kleine architektonische Eingriffe große Veränderungen bewirken?

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In dieser Folge des Design Perspectives Podcasts ist Xu Tiantian zu Gast – international ausgezeichnete chinesische Architektin und Gründerin des in Peking ansässigen Architekturbüros DnA_Design and Architecture. Für ihren ortsbezogenen Ansatz und ihre Arbeit an der Revitalisierung ländlicher Regionen Chinas wurde sie gemeinsam mit ihrem Büro bei den ICONIC AWARDS 2026 mit dem Ehrenpreis „Architects of the Year“ ausgezeichnet. Host Martin Pauli spricht mit ihr über ihren Ansatz der „architectural acupuncture“ und über die Frage, wie Architektur auf die spezifischen Bedingungen eines Ortes und einer Gemeinschaft reagieren kann.

Xu Tiantian berichtet von einem zentralen Wendepunkt in ihrer Arbeit: Nach ersten Erfahrungen mit größeren öffentlichen Kulturbauten arbeitete sie im Rahmen des von Ai Weiwei initiierten und kuratierten Jinhua Architecture Park an kleinen Bauwerken entlang des Wassers. An dem Park waren mehr als zehn internationale Architektinnen beteiligt. Die Arbeit mit Künstlerinnen und im kleineren Maßstab führte Xu Tiantian zu einer präziseren, sensibleren und stärker kontextbezogenen Architektur. Am Beispiel der Brown Sugar Factory erzählt die Architektin, wie aus der traditionellen Zuckerproduktion eines Dorfes die Idee für eine gemeinschaftlich organisierte Fabrik entstand. Das Gespräch handelt von lokalen Ressourcen, kultureller Identität, Vertrauen und der Zusammenarbeit mit Dorfgemeinschaften und Behörden. Außerdem spricht Xu Tiantian darüber, wie ihre Arbeit in ländlichen Regionen Chinas ihr Verständnis von Architektur verändert hat und was sie jungen Architekt*innen mitgeben möchte.

Kapitel

00:01:48 – Gemeinschaft, Kontext und lokale Bedingungen

00:06:10 – Vom großen Kulturbau zum kleinen, präzisen Eingriff

00:08:45 – „Architectural acupuncture“ und die Verbindung mit dem täglichen Leben

00:13:28 – Die Brown Sugar Factory: Von der Familienwerkstatt zur kollektiven Produktion

00:18:29 – Wie die Idee vor Ort und im Austausch mit der Gemeinschaft entstand

00:24:26 – Das Programm ist wichtiger als die Gebäudeform

00:28:10 – Zugehörigkeit und langfristige Wirkung

00:31:25 – Wie erfolgreiche Beispiele weitere Initiativen anregen

00:37:22 – Eine kleine Praxis und wechselnde Kollaborationen

00:39:16 – Lehren, Lernen und gesellschaftliche Wirkung
 

Takeaways

Architektur beginnt mit dem Ort
Xu Tiantian entwickelt ihre Projekte aus der Geschichte, Kultur, Lebensweise und den lokalen Ressourcen des jeweiligen Ortes. Weil jedes Dorf eigene Bedingungen und eine eigene Identität hat, braucht auch jedes Projekt ein eigenes, maßgeschneidertes Programm.

Architectural acupuncture verbindet Architektur und Alltag
Für Xu Tiantian ist „architectural acupuncture“ mehr als ein kleiner baulicher Eingriff. Ihr Verständnis dafür entwickelte sich unter anderem aus ihrer Arbeit am Jinhua Architecture Park, bei dem Ai Weiwei mehr als zehn internationale Architekt*innen für kleine Bauwerke entlang des Wassers zusammenbrachte. Der kleinere Maßstab ermöglichte präzisere und sensiblere Antworten auf den jeweiligen Kontext und markierte für Xu Tiantian einen Wendepunkt in ihrer Arbeit. Räume sollen mit dem täglichen Leben und den Produktionsaktivitäten verbunden sein, lokale Identität stärken und soziale sowie wirtschaftliche Zirkulation anregen. Dabei muss die Lösung nicht immer ein Gebäude sein.

Die Brown Sugar Factory macht den Ansatz konkret
In einem Dorf, das für die Herstellung von braunem Zucker bekannt ist, wurden Probleme bei Feuer, Hygiene und Verkauf sichtbar. Aus der Diskussion vor Ort entstand die Idee, die einzelnen Familienwerkstätten in einer gemeinschaftlichen Fabrik zusammenzuführen. Sie sollte zugleich Produktionsort, lebendiges Museum, Lernort und Raum für kulturelle Aktivitäten sein. Xu Tiantian berichtet, dass der Preis des braunen Zuckers nach zwei bis drei Jahren auf das Vier- bis Fünffache stieg.

Langfristige Wirkung entsteht durch Zugehörigkeit
Projekte funktionieren laut Xu Tiantian langfristig, wenn sie Teil des lokalen Lebens sind und der Gemeinschaft gehören – nicht, wenn sie nur für Besucher*innen gebaut werden. Dafür setzt sie auf praktische Lösungen, geringe Investitionen, lokale Ressourcen und die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Behörden.

 
Der Podcast des German Design Council

Design Perspectives Podcast

Wie können wir Design als Hebel für Transformation und wirtschaftlichen Erfolg nutzen? Darüber sprechen wir mit Persönlichkeiten aus Design, Markenführung und Architektur. Sie geben uns Einblicke, wie Transformation, Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg im Unternehmen Hand in Hand gehen können. Interessant, informativ, inspirierend.

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