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Gitter – Ludolf Buuk, Werkstatt Siegfried Prütz, Isernhagen, 1933, Schmiedeeisen. Erworben von Rudolf Buuk, 1934 Foto: Esther Hoyer
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Formen der Anpassung: Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus

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Wie reagiert Gestaltung auf Ideologie, Macht und Zwang? Eine neue Ausstellung im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig geht dieser Frage anhand von rund 400 Objekten aus der Zeit des Nationalsozialismus nach. Noch bis zum 12. April 2026 zeigt die Schau, wie Kunsthandwerk und Design zwischen 1933 und 1945 politisch instrumentalisiert wurden.  

Im Zentrum der Ausstellung „Formen der Anpassung“ imGRASSI Museum für Angewandte Kunst stehen Alltagsgegenstände wie Geschirr, Textilien, Möbel oder Metallarbeiten, die in ihrer Formensprache nicht nur ästhetischen, sondern auch ideologischen Normen unterlagen. Ergänzt durch Ehrenpreise und repräsentative Gold- und Silberschmiedearbeiten, verdeutlicht die Ausstellung die Spannbreite zwischen funktionaler Gestaltung und propagandistischer Inszenierung. Die Exponate stammen aus Museen und Archiven in ganz Deutschland sowie aus dem Bestand des GRASSI Museums.

Einblicke in Gestaltungsdiktate und Zwangsarbeit

Der erste Ausstellungsteil beleuchtet den Übergang von der Weimarer Moderne zur NS-Zeit und thematisiert die strukturellen Eingriffe des Regimes in Materialwahl, Produktionsprozesse und Gestaltungsideale. Geförderte Werkstoffe wie Zinn, Schmiedeeisen oder Bernstein galten als „deutsch“, während volkstümliche Dekore zur dominanten Ästhetik wurden. Fotografien, Plakate und Dokumente zeigen, wie tief Ideologie und Kontrolle in die Gestaltung eingriffen – bis hin zur Nutzung von Zwangsarbeit in Werkstätten. Ein weiterer Fokus liegt auf der internationalen Selbstdarstellung des Regimes durch Gestaltung, etwa bei der Weltausstellung in Paris oder den Mailänder Triennalen. Die Ausstellung verweist damit auch auf die globale Bühne, auf der Gestaltung als Werkzeug politischer Kommunikation diente.

Das GRASSI im Spiegel der Zeit

Ein zweiter Ausstellungsteil richtet den Blick auf das Museum selbst und seine Rolle in der NS-Zeit. Die Grassimessen zwischen 1933 und 1941 dienten nicht nur als Präsentationsplattform für „arische“ Gestaltung, sondern ermöglichten auch ein Nebeneinander verschiedener Stile – von traditionellem Handwerk bis hin zur moderaten Moderne. Biografische Fallstudien von Ausstellenden zeigen, wie unterschiedlich Gestalter*innen mit dem Druck zur Anpassung umgingen.

Schachtel mit Wachsmalerei – Dorothea (Dorle) van Eyck (geb. Fischer), um 1938, Holz, Spahn, Wachs. Schenkung von Privat
Schale – Entwurf: Karl Müller. Ausführung: Burg Giebichenstein, Werkstätten der Stadt Halle, Halle/S., vor 1938, Messing. Erworben von den Werkstätten der Stadt Halle, 1938
Kanne und Becher – Schwäbische Zinn- und Silberschmiede Harald Buchrucker, Aluminium, Ludwigsburg, 1930er-Jahre. Erworben von Privat
Radiogerät „Deutscher Kleinempfänger“ – Entwurf: um 1938, Ausführung: IKA Radio, Lódz (Polen), um 1940, Kunststoff, Textil. Schenkung von Privat, 2012
Trachtenpuppen – Kunsthandwerkliche Werkstatt Lotte Sievers-Hahn, Bremen, um 1933 Holz, geschnitzt, bekleidet. Erworben von Lotte Sievers-Hahn, 1933
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Formen der Anpassung

Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus

GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Leipzig

27. Nov. 2025 – 12. Apr. 2026

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