
Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne
Am 26. September eröffnet das Vitra Design Museum in Weil am Rhein die Ausstellung „Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne”. Die umfassende Retrospektive vereint über 250 Exponate aus dem Bestand des Geoffrey Bawa Trust, darunter Zeichnungen, Modelle, Möbel, Filme, Kunstwerke und Fotografien des sri-lankischen Architekten. Ergänzt wird die Auswahl durch neue Aufnahmen des Fotografen Iwan Baan, die den heutigen Zustand und die Atmosphäre von Bawas Architektur dokumentieren. Die Szenografie gestaltet die libanesische Architektin Lina Ghotmeh. Sie greift die sinnliche Kraft von Bawas Architektur auf und verwandelt das Vitra Design Museum in einen immersiven Raum.

Gelebte Architektur
Bawa wurde 1919 in Sri Lanka, dem ehemaligen Ceylon, als Sohn einer Familie mit asiatischen und europäischen Wurzeln geboren. Zunächst arbeitete er als Anwalt, bevor er sich für eine Laufbahn als Architekt entschied und sein Studium an der Architectural Association in London 1957 abschloss. Nach seiner Rückkehr nach Sri Lanka avancierte er nach dessen Unabhängigkeit schnell zu einer der prägenden Stimmen der Architektur des Landes und entwarf Projekte von Privathäusern und Schulen bis hin zu Parlamentsgebäuden.
Während seine frühen Werke noch deutlich vom Einfluss der westlichen Moderne geprägt waren, entwickelte Bawa im Laufe der Jahre eine eigenständige architektonische Sprache. Darin verband er lokale Materialien und traditionelle Handwerkskunst mit industriellen Fertigungsmöglichkeiten und bezog die topographischen Gegebenheiten des jeweiligen Ortes unmittelbar in den Entwurf ein.
Zwischen Handwerk und Industrie
Ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit war dabei die Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Handwerker*innen Sri Lankas, darunter mit Ena de Silva, Laki Senanayake und Barbara Sansoni. Ihre Werkstätten leisteten zugleich einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung und Beschäftigung in den lokalen Gemeinschaften. Die Grenzen zwischen Architektur, Kunst und Design wurden dabei zunehmend fließend.
Bawas Credo lautete, dass sich „Architektur nicht vollständig erklären lässt, sondern erlebt werden muss”. Entsprechend verstand er seine Gebäude nicht als statische Kulissen, sondern als räumliche Inszenierungen, in denen Bewegung, Material, Licht und die umgebende Landschaft miteinander in Beziehung treten. Die monumentale Natur Sri Lankas spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die Ausstellung zeichnet ein differenzierteres Bild seines Schaffens und rückt neben seiner Architektur auch künstlerische Kooperation, Ökologie und den komplexen politischen Kontext seines Oeuvres in den Mittelpunkt. Sie zeigt Bawa als Wegbereiter einer nachhaltigen und sozial verantwortungsvollen Baupraxis – und als Architekten, dessen Werk heute weltweit neu entdeckt und diskutiert wird.
Bis zum 28. Februar 2027 ist die Ausstellung im Vitra Design Museum zu sehen. Anschließend reist sie weiter nach Hongkong, wo sie ab Juni 2027 präsentiert wird. Weitere Stationen sind in Planung.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Essays, Projektbeschreibungen sowie Interviews mit den Architekt*innen Kengo Kuma, Tatiana Bilbao, Marina Tabassum und Lina Ghotmeh.

Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne
26. September 2026 – 28. Februar 2027
Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Geoffrey Bawa: Architecture for the Senses
Herausgeber: Vitra Design Museum Wüstenrot Stiftung
Verlag: Vitra Design Museum, 09/2026
ISBN-13: 9783945852743, 59€








