
Bereit für die Kreislaufwirtschaft? Wenn aus Analyse Umsetzung wird

Was wäre, wenn man ein bestehendes Produkt einfach auf den Tisch legt – und dieses gemeinsam mit Expert*innen und Unternehmen aus völlig anderen Branchen von Grund auf neu denkt? Genau das ist das Prinzip der Circular Design Clinic des German Design Council. Kein abstraktes Podium über Kreislaufwirtschaft. Keine Absichtserklärungen. Stattdessen: ein konkretes Produkt, zirkuläre Methoden, branchenübergreifender Austausch. Und am Ende ein realistischer Plan für die nächsten Schritte.
Am 24. März 2026 fand die Circular Design Clinic in Stuttgart statt, ausgerichtet vom Möbelhersteller Nurus und unterstützt von der Stadt Stuttgart, Abteilung Wirtschaftsförderung/Kreativwirtschaft. Partner des Formats ist Indeed Innovation; die Gesamtverantwortung liegt beim German Design Council.
Wer kann mitmachen? Und was bringt man mit?
Die Circular Design Clinic steht allen offen, die ein Produkt oder einen Service haben, der entlang zirkulärer Designprinzipien optimiert werden soll. Ob physisches Produkt, Materialsystem oder Dienstleistung: Was zählt, ist der Wille, nicht nur über Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern sie am eigenen Objekt konkret anzugehen.
In Stuttgart brachten sieben Unternehmen und Institutionen ihre Produkte mit – und damit sieben sehr unterschiedliche Herausforderungen:
- Schneider Electric: Frequenzumrichter (Gerhard Felber)
- ZVEI: Headset (Marion Laurentius)
- BRITA: Wasserfilterkanne (Marita Meinardus)
- deSter: Textilkissen & Keramikschale (Daniel Knies & Volker Klag)
- Helmut-Schmidt-Universität: Erinnerungsbox (Elisa Schneider)
- RAL: Farbfächer (Silke Meißenburg & Laura Kilian)
- Robert Bosch Powertools: Winkelschleifer (Isabelle Gola & Heiner Lukas)




Wie die Clinic funktioniert
Der Tag gliederte sich in zwei Phasen. Am Vormittag stand die Analyse im Mittelpunkt: Die Teilnehmenden untersuchen ihre Produkte entlang der Wertschöpfungskette, identifizieren Schwachstellen und Potenziale – strukturiert durch Methoden wie den Value Hill und unterstützt durch digitale Kollaborationstools. Circular Design-Expert*innen von Indeed Innovation und German Design Council moderierten den Prozess, gaben methodischen Input und coachten die Gruppen aktiv durch die Übungen.
Am Nachmittag folgte die Lösungsphase: Ideen wurden entwickelt, bewertet und in einer konkreten Roadmap verdichtet. Das Ziel war nicht der perfekte Entwurf, sondern der erste realisierbare Schritt. „Veränderungen schaffen wir, indem wir das Angebot anpassen", formulierte Karel Golta (Indeed Innovation) die Grundhaltung des Formats.
Entscheidend dabei: Es ist ausdrücklich erlaubt – ja erwünscht –, von Grund auf neu zu denken. Was bislang immer so gemacht wurde, muss nicht so bleiben.
Die Ergebnisse: Konkret, divers, umsetzbar
Die Abschluss-Pitches der sieben Teams machten eines deutlich: Circularity ist kein Einheitsrezept. Je nach Produkt, Branche und Wertschöpfungskette führen völlig unterschiedliche Hebel zum Ziel – und genau darin liegt die Stärke des Formats.
Die Ansätze reichten von der Materialebene über neue Fertigungsmethoden bis hin zu veränderten Geschäftsmodellen: Manche Teams identifizierten Potenziale im Einsatz von Rezyklaten oder Monomaterialien, andere fragten grundsätzlich, wie Produkte künftig so gestaltet sein könnten, dass sie sich leichter trennen, reparieren oder weiterverwenden lassen. Wieder andere dachten über digitale Werkzeuge nach, die Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus herstellen – vom ersten Einsatz bis zum Second Life.
Was alle Roadmaps gemeinsam hatten: Sie entstanden nicht am Reißbrett, sondern im Gespräch. Der branchenübergreifende Blick – eine Stärke des Clinic-Formats – öffnete Perspektiven, die im eigenen Unternehmenskontext oft unsichtbar bleiben. Ideen, die bei einem fremden Produkt selbstverständlich wirken, wurden zum Anstoß für das eigene.




Was Unternehmen mitnehmen
Am Ende eines Clinic-Tages verlassen die Teilnehmenden den Raum nicht mit einem Abschlussbericht, sondern mit drei konkreten Dingen: einem persönlichen Aktionsplan mit priorisierten nächsten Schritten, neuen Geschäftsmodell-Ideen – oft erst durch den branchenübergreifenden Blick möglich – und einem Netzwerk aus Kontakten und potenziellen Kooperationspartnern.
Das Feedback in Stuttgart war eindeutig. „Oft gibt es eine schnelle und leichte Beurteilung bei den anderen, aber bei seinem eigenen Produkt ist es viel schwerer. Die Clinic hat frischen Wind reingebracht und mehr Leichtigkeit gegeben", sagte Heiner Lukas von Bosch. Marion Laurentius vom ZVEI betonte: „Die Runde ist so wertvoll mit dem Blick aus verschiedenen Branchen." Und Isabelle Gola brachte die übergeordnete Erkenntnis des Tages auf den Punkt: „Es muss sich für alle lohnen: Kund*innen, Unternehmen und Umwelt."
Bernd Müller (Director Sustainability, German Design Council) schloss den Tag mit einem Ausblick: „Individuelle und unterschiedliche Lösungen, aber mit einfachen Prinzipien. Umsetzung durch neues Denken. Heute war der erste Schritt."




