
Bubbles of Time: Badarchitektur im Dialog der Zeiten
Hätte es den Begriff damals schon gegeben, ließen sich die Bäder des Mailänder Architekten Piero Portaluppi (1888–1967) treffend als „quiet luxury“ beschreiben. Edelste Materialien treffen hier auf eine reduzierte Formensprache und erzeugen eine Atmosphäre luxuriöser Ruhe. Anlässlich der Milan Design Week 2026 hat das Design Studio Parasite 2.0 gemeinsam mit Kaldewei im Palazzo Crespi die Installation „Bubbles of Time“ realisiert, die Portaluppis außergewöhnlichen Badentwürfen huldigt.



Portaluppis Gegenentwurf zur Moderne
Für Portaluppi bedeutete Fortschritt vor allem einen Zugewinn an Komfort, nicht ein gnadenlos durchrationalisiertes Lebensumfeld.Während Le Corbusier in den 20er- und 30er-Jahren für seine Pariser Villen streng funktionalistisch anmutende Bäder entwarf, darauf ausgelegt, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu fördern, schuf Portaluppi mondäne Badetempel. Während Mies van der Rohe in der Villa Tugendhat Bäder vollständig mit weißen quadratischen Fliesen auskleiden ließ, verwendete Portaluppi herrliche vielfarbige Marmore, die durch das klare und minimalistische Design großartiger Wirkung gelangen. In der Villa Necchi Campiglio (erbaut 1932-1935) ist das Masterbad fast vollständig mit großformatigen Platten aus Arabescato Orobico verkleidet. Einziges Dekor bilden die schmalen Streifen aus dunklem Marmor, die den Boden gliedern. Zahlreiche Spiegelflächen weiten den großen Raum zusätzlich.
In der Casa Corbellini-Wassermann verwendete Portaluppi prachtvoll gemaserten grünen Challont-Marmor, zu dem Türrahmen und Böden aus weißem und schwarzem Naturstein in spannendem Kontrast stehen. Auch hier beschränkt sich der Architekt auf ein absolutes Minimum an Materialien und Formen. Bei der Renovierung der Villa Menafoglio Litta, der heutigen Villa Panza, passte Portaluppi seine Einbauten in die kostbare Ausstattung des Landhauses aus dem 17. Jahrhundert ein. Dabei schuf er ein modernes und luxuriöses Badezimmer, das er wie eine marmorverkleidete Kapsel in einen reich ausgemalten Raum implantierte. Die strengen Formen bilden den größtmöglichen Kontrast zur barocken Pracht der Wand- und Deckenmalerei. Der kräftig gemaserte Naturstein greift den gemalten Marmor darüber auf und verbindet so beide Zeitschichten.
Während Le Corbusier in den 20er- und 30er-Jahren streng funktionalistisch anmutende Bäder entwarf, schuf Piero Portaluppi mondäne Badetempel.



Architektur als Brücke zwischen Zeiten
Portaluppi versuchte in seiner Architektur, moderne und historische Elemente miteinander zu verbinden und zu versöhnen. Anders als die radikale Avantgarde seiner Zeit wollte er keinen vollständigen Bruch mit dem Vorangegangenen. Der Palazzo Crespi, den Portaluppi zwischen 1928 und 1932 erbaute, ein stattliches Geschäftshaus im Mailänder Zentrum, illustriert das Ziel des Architekten, einen modernen Stil zu schaffen, der zugleich in der Geschichte wurzelt. Im Innern schuf der Architekt eine gewaltige, mit Halbsäulen umstandene Rotunde als Empfangshalle, von der eine palastartige zweiarmige Treppe ins Untergeschoss führt. Diese beeindruckenden Raumerfindung Portaluppis bildet den Rahmen für die Installation „Bubbles of Time“ von Parasite 2.0 und Kaldewei.
Portaluppi versuchte in seiner Architektur, moderne und historische Elemente miteinander zu verbinden und zu versöhnen. Anders als die radikale Avantgarde seiner Zeit wollte er keinen vollständigen Bruch mit dem Vorangegangenen.

Inspiration bis heute
Wie reagiert das Designteam auf die architektonische Prachtentfaltung? Mit Zurückhaltung und Subtilität! Im Rahmen des Panel Talks, den Kaldewei gemeinsam mit den ICONIC AWARDS in den Räumen veranstaltet hat, erzählt Parasite 2.0-Mitgründer Luca Marullo Viola: „Am Anfang stand für uns die Frage: Welche Geschichte wollen wir in diesen Räumen erzählen?“ Die Designer von Parasite 2.0 sind überzeugt davon, dass herkömmliche Produktpräsentationen nicht mehr der Zeit entsprechen. „Wer Produkte sehen will, geht heutzutage ins Internet“, ist Marullo Viola überzeugt. Viel wichtiger seien das Erlebnis und die Geschichte, die eine Präsentation erzählt.
Und so stellen Parasite 2.0 objektartig eine freistehende Kaldewei-Badewanne ins Zentrum der Rotunde, die der Ahlener Hersteller eigens für diesen speziellen Auftritt in einem zarten Puderrosa gefertigt hat. Den Charakter als Exponat erzielt Parasite 2.0 durch ein flaches ovales Podest. Farb- und Formwahl sind Anspielungen auf barocke Interieurs und bilden einen Gegenentwurf zu Portaluppis monomentaler Rotunde. Wo Portaluppi sich historischer Anleihen bedient, um Monumentalität zu erzielen, nutzen die Designer sie, um Zartheit und Offenheit auszudrücken. Im Untergeschoss ist die Formensprache der Innenarchitektur Portaluppis deutlich moderner und nähert sich sich dem Art Déco an. Hier hat auch die Installation von Parasite 2.0 einen anderen Charakter. Die Designer präsentieren Bilder und Materialien aus den Badentwürfen Portaluppis auf modularen Edelstahldisplays. Die Fotos und Materialproben setzen sie in Bezug zu Einzelelementen von Kaldewei-Produkten. Duschrinnen und -flächen werden hier beinahe zu Kunstobjekten. Den konsequenten Minimalismus in Portaluppis Bädern steigert Parasite 2.0 noch weiter, in dem die Designer die kostbaren Marmore in reine Schaustücke verwandeln.



Stimmen aus dem Panel-Talk
Nicht nur die Designer von Parasite 2.0 begeistern sich für die grandiosen Baddesigns Piero Portaluppis. Im Rahmen des von Kaldewei und den ICONIC AWARDS veranstalteten Panel Talks bringt auch Werner Aisslinger seine Achtung vor Portaluppis Werk zum Ausdruck. „Inspirierend“ nennt der renommierte Berliner Designer, der ein ausgewiesener Experte für innovative Bäder ist und schon mehrfach Kaldewei-Produkte gestaltet hat, die Badentwürfe des Mailänder Architekten. „Seine Grundrisse waren extrem fortschrittlich“, erklärt Aisslinger. Zudem sei Portaluppis Umgang mit Licht und Oberflächen schlicht meisterhaft. Doch weiß der Designer aus Erfahrung, dass es nicht allein auf den genialen Gestalter ankommt: „Ich bewundere auch Portaluppis Klienten für ihre Weitsicht und Aufgeschlossenheit.“
Über die ICONIC AWARDS

Mehr Sichtbarkeit, mehr Chancen – die neuen ICONIC AWARDS bieten eine Bühne für die Ideen und Projekte von morgen. Entfalten Netzwerk- und Business-Möglichkeiten und ebnen Wege zu neuen Märkten. Sie richten sich an Architekt*innen, Designer*innen und Unternehmen, die mit visionären Projekten, innovativen Produkten und nachhaltigen Konzepten die Zukunft mitgestalten.


