
Sieben Pilgerziele für Panton-Fans
Er gilt als einer der einflussreichsten Designer des 20. Jahrhunderts: der Däne Verner Panton. Er wäre am 13. Februar 100 Jahre alt geworden, und so ist 2026 ein Panton-Jahr, das mit Ausstellungen und Jubiläumseditionen seiner Produkte gefeiert wird. Die meisten Designfans dürften ihn als Gestalter von Klassikern wie dem „Panton“-Chair oder den Leuchten „Panthella“ und „Flowerpot“ kennen. Doch Panton hat viel umfassender gedacht: Mit Raumkonzepten wie der „Visiona-II“-Installation oder dem Interieur für das Spiegel-Verlagshaus schuf er Gesamtkunstwerke aus Mobiliar, Oberflächen, Licht – und natürlich Farben. Anlässlich seines runden Geburtstages hier eine Auswahl von Orten, die als lohnenswerte Panton-Pilgerziele gelten dürfen – von Kopenhagen über Hamburg und Berlin bis Basel. Hier ist sein Werk lebendig, hier kann man seine Raumerfindungen, Farbkonzepte, vor allem aber seine Freude an der unkonventionelle Gestaltung unmittelbar erleben.

Spiegel-Kantine, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Nur die Büros waren weiß: 1969 beauftragte der Spiegel-Verlag Verner Panton, das neue Verlagsgebäude an der Brandstwiete einzurichten – ein außergewöhnlich großer Auftrag. Panton tauchte alle Räume in die kräftigen Sixties-Farben, für die er damals schon bekannt war. Angefangen mit dem Eingangsbereich und dem Innenhof, dazu Eingangshalle, Kantine, Bar, den im Keller gelegenen Swimmingpool, den Konferenzraum sowie die Flure des von Werner Kallmorgen erbauten Hochhauses. Er machte aus dem Verlagsgebäude ein psychedelisches Gesamtkunstwerk, ausgestattet unter anderem mit der eigens entworfenen, modularen „Spiegel“-Leuchte, mit Vorhängen, Teppichen, Leuchten und Möbeln. Jeder Raum hatte seine eigene Farbe. „Bei seiner Einweihung wirkte die Gestaltung auf viele provokant und schockierend: Ein zentrales Nachrichtenhaus inszenierte sich nicht neutral, sondern laut, farbig und selbstbewusst. Farben und Formen wurden zu aktiven Mitspielern der Kommunikation und machten deutlich, dass Räume nicht bloße Kulisse sind, sondern dass Design eine Gesellschaft aktiv formen und nachhaltig prägen kann“, sagt Stephanie Regenbrecht, Sammlungsleiterin am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.
Der Pool fiel schon bald einem Brand zum Opfer, andere Räume wurden in 1980er- und 1990er-Jahren zurückgebaut, weil sie als nicht mehr zeitgemäß galten. Die Kantine allerdings stand seit 1998 unter Denkmalschutz. Als der Spiegel-Verlag 2011 in eine neues Gebäudes umzog, übernahm das Museum für Kunst und Gewerbe große Teile der Originalausstattung. Kantine und Snack-Bar sind als dauerhafte Raum-in-Raum-Installation seither einer der Höhepunkte der Sammlungspräsentation. „Der Raum steht exemplarisch für den Anspruch des Hauses, Design nicht nur zu bewahren, sondern als Teil der Designgeschichte ebenso wie aktueller gesellschaftlicher Diskurse erlebbar zu machen. Derzeit arbeiten wir an der neuen Ausrichtung dieser Räume, in die auch bislang nicht gezeigte Teile des Ensembles integriert werden. Ziel ist es, Verner Pantons Ansatz – die Funktion in Empfindung zu übersetzen – unmittelbar erfahrbar zu machen“, so Stephanie Regenbrecht weiter. Im neuen Spiegel-Gebäude richtete der Verlag als Erinnerung an das legendäre Interieur eine Snack-Bar ein, mit einigen Panton-Objekten aus dem alten Haus. 1973, wenige Jahre nach dem Spiegel-Verlag, beauftragte übrigens auch die Hamburger Konkurrenz von Gruner & Jahr Panton mit einer Inneneinrichtung. Die Kantine hat sich ebenfalls erhalten, das originale Mobiliar ist mit dem Verlag 2024 in ein neues Gebäude umgezogen.


Vitra Campus, Weil am Rhein
Mit dem Schweizer Möbelhersteller Vitra verband Verner Panton eine besondere Beziehung. Vitra-Chef Willi Fehlbaum war 1963 der erste, der an Pantons Idee eines Freischwingers komplett aus Kunststoff glaubte – zuvor hatte sich der Designer Absagen von Herstellern in ganz Europa geholt. Panton zog eigens nach Basel, um den „Panton“-Stuhl mit Vitra entwickeln zu können. Heute gehört der Stuhl zu den absoluten Klassikern des Möbeldesigns, und Pantons Entwürfe sind eine feste Größe des Vitra-Produktprogramms. Diese besondere Beziehung findet auch in der Sammlung des Vitra Design Museums ihr Echo, die über einen umfangreichen Bestand von Objekten, Textilien und Archivalien von Verner Panton verfügt. Anlässlich des 100. Geburtstags schöpft das Museum mit der Ausstellung „Verner Panton. Form, Farbe, Raum“ aus dieser Panton-Sammlung, die zu den bedeutendsten ihrer Art zählt. Sie wird ab 23. Mai dieses Jahres im Schaudepot des Museums auf dem Campus in Weil am Rhein zu sehen sein. Ein Teil seines Werkes wird chronologisch und thematisch präsentiert, mit eigenen Kapiteln zu Schlüsselobjekten wie dem „Panton“-Stuhl und der „Visiona-II“-Ausstellung zur Kölner Möbelmesse 1970. Zugleich rückt die Schau den historischen Kontext Pantons in den Fokus, von neuen Kunststoffen und Fertigungstechniken bis zu gesellschaftlichen Umbrüchen und der Faszination für die futuristische Ästhetik. Ein Höhepunkt ist sicher die begehbare Rekonstruktion der legendären „Fantasy Landscape“ von 1970.


Restaurant Kunsthalle und „Panton“-Gang, Basel
In seiner Basler Zeit lebte Verner Panton im Vorort Binningen, in einem von ihm selbst eingerichteten Haus – unter anderem mit der dreidimensionalen Sitzskulptur „Living Sculpture“ im Wohnzimmer und einer Deckenlandschaft aus hinterleuchteten Muschelplättchen im Esszimmer. Die „Living Sculpture“ befindet sich heute in der Sammlung des Centre Pompidou, während die Muschelleuchten-Decke seit 2017 als Leihgabe an den Basler Kunstverein im Restaurant Kunsthalle in Basel installiert ist. Das Restaurant als neues Zuhause lag nahe, war der Designer dort Stammgast, und so trägt der Raum mit der spektakulären Decke zu seinen Ehren jetzt den Namen „Panton-Saal“. Weniger festlich, dafür umso farbiger ist der sogenannte Panton-Gang, eine von Verner Panton 1978 gestaltete, unterirdische Passage zum Basler Universitätsspitals. Der originale Gang fiel vor einigen Jahren Bauarbeiten zum Opfer, wurde aber in unmittelbarer Nähe rekonstruiert und ist seit 2024 öffentlich zugänglich. Jetzt ist auch der Boden, wie ursprünglich vorgesehen, mit den für Verner Panton typischen farbigen Mustern überzogen.



Kunstgewerbemuseum Berlin und Zirkus-Gebäude, Kopenhagen
Die zweite große Ausstellung in diesem Jubiläumsjahr organisiert das Kunstgewerbemuseum am Berliner Kulturforum. Unter dem Titel „World of Colours. 100 Jahre Verner Panton“ zeigt das Museum ab 13. November 2026 über 100 Exponate rund um Panton und das Lebensgefühl der 1960er-Jahre, das mit seinen Entwürfen verbunden ist. „Die Freude am Experimentieren mit neuartigen Kunststoffen eröffnete ihm Gestaltungsräume, die zuvor unvorstellbar waren. Synthetische Materialien statt Holz, verchromter Stahl statt Furnier, aufregend und flexibel statt still und starr. Pantons Herangehensweise war ein Bruch mit der Tradition und ein bedingungsloses Bekenntnis zum Fortschritt“, heißt es in der Ankündigung zur Ausstellung, die bis Mitte 2027 zu sehen sein wird. Gerade rechtzeitig zu Pantons 100. Geburtstag wiederum erstrahlt das sogenannte Zirkus-Gebäude in Kopenhagen im aufgefrischten Glanz. Panton war 1984 anlässlich einer Neugestaltung des Veranstaltungshauses als Farb- und Lichtberater engagiert worden und hatte die historischen Innenräume mit kräftigen Farbkontrasten und Lichtinstallationen in eines seiner Gesamtkunstwerke verwandelt. Im vergangenen Jahr wurde der denkmalgeschützte Bau von 1886 renoviert, dabei wurden die öffentlichen Bereiche wie Eingangshalle, Foyers und Treppen entsprechend dem ursprünglichen Farb- und Lichtkonzept in enger Zusammenarbeit mit der Verner Panton Design AG wiederhergestellt. Es gibt orange, grüne und purpurfarbene Räume, blaue Säulen treffen auf rosafarbene Decken, rote Säulen auf orangen Decken. Und die Ausstattung besteht komplett aus Möbeln und Leuchten von Verner Panton.


Verner Panton. Form, Farbe, Raum
23. Mai 2026 – 09. Mai 2027
Vitra Design Museum
Weil am Rhein

World of Colours. 100 Jahre Verner Panton
13. November 2026 – 23. Mai 2027
Kunstgewerbemuseum
Berlin


