
Den Generationswechsel gestalten
Olaf Barski hat über mehr als vier Jahrzehnte die Designszene wesentlich mitgeprägt, ist nun mit Ende 60 aus dem aktiven Tagesgeschäft ausgestiegen. Seit vergangenem Jahr ist Paul van Laar (35) neuer Inhaber von Barski Design. Nicht nur der Name bleibt, auch der Anspruch und das Selbstverständnis. Olaf Barski bleibt noch an Bord, allerdings als „Mentor, Berater, Partner“ und als wandelnder Erfahrungsschatz. Beide verstehen sich blendend, profitieren voneinander und haben ihre Rollen klar definiert. Der erste Schritt war hingegen eher zufällig.

„Ich glaube, es war im Jahr 2018, als ich anfing, mir ernsthaft Gedanken zu machen, wie es denn mit meinem Büro und mir weitergehen soll.”
Olaf Barski
Der Generationswechsel ist keine einfache Sache und braucht mindestens zwei Personen dazu, die sich finden müssen. Wie lief das bei Ihnen?
Olaf Barski: Wir kannten uns eigentlich nicht, bevor wir uns 2023 bei einer Veranstaltung von Hessen Design kennenlernten. Wir haben uns unterhalten, über das, was gerade so läuft. Das war ohne Absichten, ohne Suche und auch ohne Finden. Daraus entstand Anfang 2024 eine Regelmäßigkeit, wir waren immer wieder gemeinsam essen und haben über Design gesprochen, über Erfolge, aber auch über Herausforderungen, über die Akquise von Neukunden oder die strategische Ausrichtung. Recht schnell haben wir festgestellt, dass wir mit unseren Sichtweisen, gestalterischen Prämissen und Handschriften gut zusammenpassen.
Paul van Laar: Für mich war das sehr spannend, allein der Erfahrungsschatz von Olaf ist faszinierend. Ein enormer Fundus, denn Olaf macht das seit über 40 Jahren. Irgendwann kam uns die Idee, unsere beiden Büros zusammenzulegen – wir kommen persönlich super klar, ticken geschäftlich ähnlich und haben die gleichen Werte im Blick.
Seit wann war das Thema auf Ihrer Agenda?
Olaf Barski: Ich glaube, es war im Jahr 2018, als ich anfing, mir ernsthaft Gedanken zu machen, wie es denn mit meinem Büro und mir weitergehen soll. Aktiver wurden diese Überlegungen dann während der Coronazeit. Natürlich sprach ich auch mit Kollegen und Freunden, auch mit Nicht-Designern, wie deren Pläne so aussehen. Einige stiegen schon mit Mitte 60 aus dem Beruf aus, das habe ich für mich aber als zu früh empfunden. Körperlich bin ich zum Glück fit. Dieser ganze Prozess braucht seine Zeit – das lässt sich nicht übers Knie brechen.
Fusion statt Übergabe? Was bedeutet das?
Paul van Laar: Es ist das Zusammenbringen von Know How, um etwas Besseres zu schaffen. Olaf hat es mal frei nach Frank Zappa so formuliert: „One and One is Eleven“. Die Idee war, die Expertise, das Wissen, die Kontakte und das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen bei Barski Design mit dem zu verschmelzen, was ich seit einigen Jahren mit meinem eigenen Büro White Lime aufgebaut hatte. Ich bin jetzt Inhaber und Geschäftsführer von Barski Design, Olaf ist Berater, Mentor, Stratege. Die Rollen sind klar verteilt.
Olaf Barski: Mir war wichtig, die Führung und Verantwortung wirklich abzugeben. Paul ist zu 100 Prozent Inhaber, trägt die Verantwortung, trifft die Entscheidungen – sowohl geschäftliche als auch gestalterische.

Was hat Sie denn letztlich motiviert, Ihr Büro mit dem von Olaf Barski zu verschmelzen und fortan unter diesem Label zu arbeiten?
Paul van Laar: Da kommen viele Aspekte zusammen. Da ist zunächst mal das Weiterentwickeln der Büros. Letztlich mussten wir uns für eine Marke entscheiden, also für White Lime oder Barski Design. Die Entscheidung fiel dann für die renommierte und eingeführtere Marke.
Sehr wertvoll an der neuen Konstellation ist auch die Mentorenrolle von Olaf Barski. Damit meine ich, die richtigen Fragen zu den Aufgaben und zu den Herangehensweisen zu stellen, um dann die richtigen Argumente zu finden. Stimmen wie beide als gute Gestalter dann darin überein, dass eine Lösung die beste ist oder ein Angebot so oder so aussehen muss, dann bekommt alles noch mehr Substanz. Diese Diskussionen finde ich stets super spannend.
Nicht wenige Büroübergaben scheitern unter den Bedingungen des Alltags. Was haben Sie anders gemacht?
Olaf Barski: Ja, ich kenne viele solcher Geschichten. Selbst namhafte Büros sind in dieser Phase gestrauchelt, haben sich teils wieder gefangen oder waren plötzlich weg. Weil ich mich noch nie über Macht definiert habe, sondern stets über Kompetenz und Können, fällt das Abgeben vermutlich leichter. Sprich: Wenn Paul die Verantwortung hat, dann hat er sie auch. Daran wird nicht gerüttelt.
Paul van Laar: Wir haben das Glück, dass wir sehr häufig gleicher Meinung sind, ähnliche Werte vertreten und einen hohen Anspruch an das Design haben. Wir hatten noch nie ein Streitthema, wir diskutieren und finden am Ende gute Lösungen, die wir beide tragen können. Das hängt auch damit zusammen, dass wir die Rollen klar definiert haben. Genau dieser Aspekt ist extrem wichtig, sonst käme es zu atmosphärischen Störungen. Und das würden auch die Kunden bemerken.
„Manche Kunden sind tatsächlich sehr erleichtert, dass es weitergeht und der langjährige Designpartner nicht einfach verschwindet, sondern sogar besser wird.“
Paul van Laar
Ein gutes Stichwort – wie haben denn Ihre Kunden auf die neue Konstellation reagiert?
Olaf Barski: Sind Paul und ich gemeinsam bei Kunden, werden wir als Team wahrgenommen. Die Kombination aus jungen, frischen Sichtweisen und meiner Erfahrung kommt sehr gut an. Außerdem sehen die Firmen, dass wir Verantwortung übernehmen, indem wir Barski Design weiterführen. Das schafft Vertrauen und gibt Sicherheit. Es geht ja um größere Budgets, um komplexe Produktentwicklungen, um Kontinuität.
Paul van Laar: Manche Kunden sind tatsächlich sehr erleichtert, dass es weitergeht und der langjährige Designpartner, dem sie vertrauen, nicht einfach verschwindet, sondern sogar noch besser wird. Man muss sich nicht neu orientieren, man weiß, worauf man sich einlässt. Das drückt ja auch unser Claim in der Kommunikation aus: „Together for Good Design“.
Über Geld spricht man ja eher nicht, aber die Frage sei gestellt: Wie ermittelt man den Wert eines Designbüros?
Olaf Barski: Es gibt durchaus Modelle, den Wert eines Designbüros zu erfassen. Aber die ermittelten Kaufsummen sind oft realitätsfern. Wir haben uns auf ein erfolgsgebundenes Modell geeinigt, über das wir hier bewusst nicht im Detail sprechen möchten. Unser Modell funktioniert bisher aber sehr gut, so viel sei gesagt.
Paul van Laar: Unsere Interessen gehen in die gleiche Richtung. Wir wollen beide, dass Barski Design maximal erfolgreich ist. Keiner hält mit etwas hinterm Berg, beide geben Gas. Und beide profitieren, wenn es gut läuft. Das ist, glaube ich, der entscheidende Faktor.
Was empfehlen Sie all jenen, die einen ähnlichen Übergang planen?
Paul van Laar: Zwei Dinge sind aus meiner Sicht wichtig. Erstens muss der Alltag klar geregelt sein – also Rollen, Verantwortung, finanzielle Entscheidungen. Sonst diskutiert man das jede Woche neu. Zweitens: Extremsituationen vorab durchdenken. Was passiert, wenn es – aus welchen Gründen auch immer – hart auf hart kommt? Das ist unangenehm zu durchdenken, bringt danach aber Entspannung. Wenn der Worst Case irgendwann eintritt, weiß man, wie es geregelt ist. Und mein Tipp an junge Kreative: Macht einen guten Vertrag, sonst tauchen die Probleme später umso heftiger auf.
Olaf Barski: Ich würde sagen, seid mutig und baut einen Vertrauensvorschuss ein. Also nicht herumeiern, sondern klar bleiben. Wir wollen gute Arbeit machen, aber die Garantie, dass alles klappt, kann letztlich selbst der beste Vertrag nicht geben.
Paul van Laar: Olaf hat tatsächlich ein Vetorecht, wenn er Bedenken hat, dass Tun und Marke nicht mehr passen. Daher ist in der Präambel des Vertrages fixiert, was wir machen wollen und was nicht.
Olaf Barski: Tatsächlich haben das mehrere Berater angeschaut, um alles von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Also lieber mit zu vielen Leuten sprechen als mit zu wenigen. Allerdings geht das nur mit versierten Beratern aus der Designbranche. Durch mein langjähriges Engagement in verschiedenen Designverbänden kannte ich kompetente Leute, denen wir beide unser Vertrauen schenken konnten.

Schauen wir mal nach vorne, wie sieht denn Ihre Strategie für die Zukunft aus?
Paul van Laar: Die Kernwerte bleiben erhalten, aber wir entwickeln uns weiter. Eine Richtung, die uns sehr interessiert ist die ganzheitlichere Abbildung von Entwicklungsprozessen. Wir haben zum Beispiel eine neue strategische Partnerschaft mit der Universitätsmedizin Mainz abgeschlossen. Medizintechnik ist bekanntlich ein sehr reguliertes, komplexes Feld – und wir können dort mit Design-Expertise einsteigen, bevor es an reine Formgebung geht. Wir sind so wirklich strategische Entwicklungspartner und nicht nur Stylisten, die am Ende etwas schön machen.
Olaf Barski: Mir ist wichtig, mit externen Kooperationspartnern eng zusammenzuarbeiten und nicht alles Inhouse zu haben. Wir können innovativere Konzepte vorschlagen – und suchen uns dann die Spezialisten, die die Realisierung mit ihrer Expertise unterstützen.
Eine letzte Frage an Sie, Herr Barski: Was machen Sie jetzt mit Ihrer Zeit?
Olaf Barski: Ich bin nicht mehr die volle Zeit im Büro und genieße das sehr. Die Partnerschaft mit Paul und der Austausch mit dem jungen Team im Office erlebe ich als sehr bereichernd. Darüber hinaus bin ich in vielen Verbänden aktiv und vernetzt – etwa im German Design Council, im DDC, aed oder bei Hessen Design. Ich sitze in Jurys, besuche internationale Messen und genieße diese Zeit. Ich habe jetzt mehr Luft und Zeit, kann mal einen Schritt zurückgehen und unsere Projekte aus einer größeren Distanz betrachten. Dies hätte ich mir früher, als ich da noch verantwortlich war, mitunter gewünscht.










