Das Magazin des German Design Council
Lichtdesignerin Sabine de Schutter setzt auf Zirkularität Foto: Florian Reimann
Sabine De Schutter

„Wir müssen weg von Fast Lighting“

Circular DesignArchitektur
Circular Lighting ist ihr Markenzeichen, „Light Hacks“ ihre Spezialität: Sabine De Schutter, Berliner Lichtarchitektin mit belgischen Wurzeln, bringt mit Hands-on-Haltung und Frauenpower frischen Wind in die Lighting-Branche.

Sabine De Schutters Energie ist ansteckend. Sie lacht viel, wird im nächsten Moment aber wieder ernst und artikuliert klar, worum es ihr geht. Nur um Leuchten auszusuchen, dafür bräuchte man keine Lichtplaner*innen, so die studierte Architektin. Licht schaffe Atmosphäre, biete Orientierung und könne Räume auf- oder abwerten. „Wir gestalten Perspektiven.“ Die aus Belgien stammende Wahlberlinerin steht für Themen wie zirkuläre Lichtgestaltung und Female Empowerment in der Lichtbranche. Seit der Gründung ihres Studios im Jahr 2015 gestaltet sie mit einem kleinen Team Lichtlandschaften in Zusammenarbeit  mit bekannten Architekt*innen und Designer*innen wie Werner Aisslinger, LXSY (Link) , Kinzo, oder Axel Vervoordt.

In ihren Projekten geht sie immer von der Architektur aus, denn: „Licht wird nur sichtbar, wenn es reflektiert wird.“ So sei es zum Beispiel elementar, wie der Deckenspiegel gestaltet ist, wo sich die Lichtauslässe befinden, wie die Materialbeschaffenheit der Wände ist. Bei jeder Lichtplanung arbeitet sie intensiv mit Tageslicht – nicht nur im Verlauf des Tages, sondern auch der Jahreszeiten. Auch Schatten spielt in ihrer Arbeit eine große Rolle, sie hat sogar ihre Masterarbeit an der Hochschule Wismar darüber geschrieben. Da klingt es kaum überraschend, wenn sie sagt: „Berlin ist eine dunkle Stadt, das liebe ich.“ De Schutter setzt sich dafür ein, Lichtverschmutzung zu vermeiden und Dark-Sky-freundliche Systeme zu implementieren.
 

„Licht wird nur sichtbar, wenn es reflektiert wird.”
Sabine De Schutter

Inspiration Ingo Maurer

Dass sie sich für diese Nische in der Architektur entschieden hat, kommt nicht von ungefähr. Als Tochter eines Fotografenpaares wurde sie schon früh für das Thema Licht sensibilisiert. Dass sie zunächst Architektur studierte, hatte mit dem bekannten belgischen Art Nouveau-Architekten Victor Horta zu tun, dessen Werke sie als Zwölfjährigeentdeckte. „Diese Atmosphäre!“, schwärmt sie noch heute. Bereits während ihres Studiums arbeitete Sabine De Schutter  in einem großen Architekturbüro in Antwerpen, wo sie aufgewachsen ist. Als sie im Team von Conix Architects das Atomium in Brüssel sanierte, kam Ingo Maurer für die Lichtplanung ins Spiel. Ein Aha-Moment. Sie war sofort fasziniert von den fantasievollen Leuchten des deutschen Lichtdesigners. Sabine De Schutter betont, wie wichtig es ist, Licht als Architekt*in mitzuplanen, da es starken Einfluss auf die Wirkung und Wahrnehmung eines Raumes hat: „Wie können wir diese wichtige Komponente anderen überlassen?“

Gefühl, Intuition und Erfahrung

Um klare Positionen und pragmatische Ansätze ist die Lichtplanerin nicht verlegen. Nur nach Normen und Richtlinien zu arbeiten, reiche bei weitem nicht aus, sagt De Schutter, die auch Design Thinking und Innovation am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam studiert hat. Die reine Lichtplanung und Architektur, so wie sie an Hochschulen gelehrt wird, sei sehr technisch. Ihre Arbeit sei dagegen sehr von Gefühl, Intuition und Erfahrung geprägt: „Lichtqualität lässt sich nicht wirklich messen.“ Ein Beispiel: Auch wenn die Arbeitsstättenverordnung eine Leuchtstärke von über 500 Lux in Arbeitsumfeldern vorgibt, kann dieser Wert in Entspannungszonen auch mal unterschritten werden. Ihr Herangehensweise beschreibt sie als „sehr analog“. So beginnen sie und ihr Team ein Projekt immer damit, dass sie skizzieren, Modelle und Mock-ups anfertigen.

„Light Hacks“ für Langlebigkeit

Circular Lighting ist das Markenzeichen Sabine De Schutter, „Light Hacks“ ihre Spezialität. Damit sind Leuchten gemeint, die sie neu konfiguriert, um sie zirkulär zu machen. Das können gebrauchte Leuchten sein, in die neue Treiber, Platinen oder LEDs installiert werden. Oder  neue Leuchten, die sie aus einfachen Baumarkt-Materialien herstellt. Sie baut diese Prototypen selbst. So kann sie den Handwerker*innen, wenn diese kapitulieren würden, sagen: „Schauen Sie her, ich kann das.“

Bei einem ihrer jüngsten Projekte, dem Burger-Restaurant „Flip-N-Fry“ in Berlin, das in Zusammenarbeit mit den Architekt*innen Esther Bruzkus und Peter Greenberg entstand, baute sie die Leuchten sogar selbst vor Ort mit dem Bauherrn um, da die Handwerker sie falsch zusammengesteckt hatten. „Weil sie keinen Lötkolben hatten, bin ich ins Studio gefahren, um einen zu holen.“ Für die Showroom- und Arbeitswelten „The Loop“ in Düsseldorf von dem Generalunternehmer Office Group in Kooperation mit dem niederländischen Möbelhersteller Ahrend kam ein ganz besonderer „Light Hack“ zum Einsatz: Das Gehäuse der länglichen Arbeitsleuchte aus dem Bestand hat Studio De Schutter foliert, anstelle es neu pulverbeschichten zu lassen. Das könne auf der Baustelle erledigt werden, das Material bleibe dadurch kreislauffähiger, erklärt sie. 
 

„Meine Leidenschaft wird oft von Menschen in den Boden gestampft, die Lichtplanung nach 08/15-Prinzip immer nur mit neuen Leuchten umsetzen und Green Washing betreiben.”
Sabine De Schutter

Leuchten mit integrierter KI

Wie so oft bot der ursprüngliche Leuchtenhersteller kein Umrüstungskit von Leuchtstoff auf LED an. Doch das Team wurde anderweitig fündig – sogar mit CE-Zertifizierung. Heute schmücken die wiederaufbereiteten Leuchten den Showroom und verleihen ihm eine starke Identität. Selbst die Fernwirkung hat De Schutter mitbedacht. Von der Straße aus sind die Diagonalen am Abend klar zu erkennen. Die Lichtsteuerung hat das Team drahtlos per Casambi-Bluetooth-Technologie so vorprogrammiert, dass sich die Nutzer*innen der Fläche sich um nichts kümmern müssen – nur wenn sie verschiedene Lichtszenarien haben möchten, wie etwa „Event Vortrag“ oder „Event Cocktail“.  

Besonders viel Kopfzerbrechen bereiten ihr die vielen Produkte mit verklebten LEDs. Diese lassen sich nicht updaten, die Lebensdauer ist begrenzt. Die Branche betreibe sehr viel Green Washing und bewege sich viel zu langsam , aber es werde besser, zum Beispiel durch EU-Regelungen wie das „Right to Repair“. Gerne setzt sie daher auf kleine Hersteller aus Europa, mit denen sie Leuchten individuell anfertigen kann, wie etwa mit Georg Bechter aus Vorarlberg. Bei neuen Leuchten achtet sie darauf, dass sich das Gehäuse vom Leuchtmittel trennen lässt beziehungsweise dass jedes Element austauschbar ist. Auf der Light + Building, die vom 8. bis 13. März in der Messe Frankfurt stattfindet, wird sie genau solche Leuchten suchen – sowie Leuchten mit integrierter Künstlicher Intelligenz, die etwa Farbwerte messen und Farben optimal wiedergeben können. 

Women in Lighting

Als ob das noch nicht genug wäre, ist die Mutter eines zweijährigen Sohnes auch ein Paradebeispiel für Female Empowerment. Sie engagiert sich bei „Women in Lighting” , einer Organisation, die sich für die Sichtbarkeit von Frauen in der Lichtbranche einsetzt. Man kenne vielleicht Architektinnen wie Zaha Hadid, Lichtplaner wie Olafur Eliasson, aber Lichtplanerinnen? Das müsse sich dringend ändern, meint die deutsche Botschafterin für das internationale Netzwerk. Zur Light + Building findet erstmals eine Konferenz von „Women in Lighting“ statt –  am Weltfrauentag am 8. März 2026. „Wir sollten gemeinsam versuchen, die Lichtbranche zu verändern.“

Konferenz

„Women in Lighting”

8 März 2026
14:00-17:00 Uhr

Light + Building
Messe, Frankfurt am Main
Design Plaza

Über Sabine De Schutter

Die belgische Lichtdesignerin Sabine De Schutter gründete 2015 ihr Studio mit Standorten in Berlin und Antwerpen. Ihr Studio entwickelt immersive Lichtkonzepte für Arbeitswelten, Hospitality, Retail und öffentliche Installationen – an der Schnittstelle von Architektur, Technik und Kunst, stets geleitet von Wahrnehmung und der emotionalen Qualität des Raums.

Mit ihrem Fokus auf zirkuläre Lichtplanung setzt sie sich für ressourcenbewusste und wiederverwendungsorientierte Strategien ein, die die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche stärken. Ihre Projekte zeigen, wie gezielt eingesetztes Licht Identität formen, Atmosphäre prägen und langfristigen Mehrwert im gebauten Umfeld schaffen kann. Über diesen Ansatz sprach sie unter anderem auf der Bühne von TEDx. Als Women in Lighting Ambassador für Deutschland engagiert sie sich für Sichtbarkeit und Empowerment in der Branche.

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