
Glitzer als Material, Haltung und Praxis
Glitzer bewegt sich zwischen Anziehung und Ablehnung. Er schimmert auf Bühnen, klebt an Protestplakaten, bedeckt Nägel, Körper und Räume, und verweigert sich dabei jeder Eindeutigkeit. Die Ausstellung versammelt rund 40 internationale künstlerische und gestalterische Positionen, die Glitzer als kulturelles Ausdrucksmittel lesen: als Zeichen kollektiver Freude, als ästhetische Übertreibung und als leisen wie lauten Widerstand gegen gesellschaftliche Normierungen. Gezeigt werden Arbeiten von unter anderem Jenny Schäfer, Quil Lemons und Molly Soda sowie Kostüme, Perücken, Nail Art und audiovisuelle Beiträge aus Pop, Performance und Design.
Zwischen Popkultur, Protest und Materialität
Die Ausstellung ist in sechs thematische Kapitel gegliedert, die Glitzer als aktivistisches Material, als Mittel der Inszenierung von Identität und als Do-it-yourself-Praxis beleuchten. Ergänzt wird dieser Zugang durch eine „Glittermania“, die sich der Geschichte des Glitzerns widmet – von frühen kulturellen Referenzen bis zu zeitgenössischen Pop-Phänomenen. Ein eigenes Material-Labor nimmt schließlich das glitzernde Material selbst unter die Lupe: Warum glitzert etwas? Woraus besteht klassischer Glitzer? Und kann Bio-Glitzer tatsächlich eine nachhaltige Alternative sein?


Vermittlung, Beteiligung und öffentlicher Raum
Partizipation spielt auch in Winterthur eine zentrale Rolle. In einer offenen Glitzer-Werkstatt sind Besucher:innen eingeladen, selbst gestalterisch aktiv zu werden und die Ausstellung mit eigenen Beiträgen zu ergänzen. Walk-in Workshops, Angebote für Schulen sowie ein breit gefächertes Vermittlungsprogramm vertiefen die Auseinandersetzung mit Glitzer als ästhetischem, sozialem und ökologischem Thema.
Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung. Dazu zählen dialogische Führungen zu Glitzer zwischen Protest, Pop und Nachhaltigkeit, ein Gendersalon im Nagelstudio-Setting, Kooperationen mit der Schweizerischen Textilfachschule Winterthur sowie ein Museumskonzert unter dem Titel Mirrorball Disco Time. Auch eine Design-Promenade durch Winterthur ist inbegriffen.
Mit der Winterthurer Station wird Glitzer nicht nur weitergedacht, sondern auch kritisch geschärft: Als Material, das zwischen Glamour und Mikroplastik variiert, wirft Glitzer Fragen nach Verantwortung, Sichtbarkeit und Gestaltung in einer von Bildern, Konsum und Symbolen geprägten Gegenwart auf.




Glitzer
28. November 2025 – 17. Mai 2026
Gewerbemuseum Winterthur


