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Wissen für alle: ISOTYPE und die visuelle Demokratisierung von Information

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Noch bis zum 5. April widmet sich das Wien Museum einer der einflussreichsten Bildsprachen des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung ISOTYPE zeichnet die Entstehung, Internationalisierung und anhaltende Relevanz der Wiener Methode der Bildstatistik nach, die in den 1920er-Jahren unter der Leitung von Otto Neurath entwickelt wurde.  

Ausgangspunkt der Ausstellung „Wissen für alle. ISOTYPE – die Bildsprache aus Wien“ ist das sogenannte Rote Wien, eine Phase tiefgreifender sozialdemokratischer Reformen nach dem Ersten Weltkrieg. 1925 gründete Neurath das Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum mit dem Ziel, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge für möglichst viele Menschen verständlich zu machen. Wissen sollte nicht exklusiv bleiben, sondern als Grundlage demokratischer Teilhabe dienen.

Zentral für dieses Anliegen war die Entwicklung einer neuen Form visueller Kommunikation. Gemeinsam mit der Grafikerin Marie Reidemeister und dem Künstler Gerd Arntz entstand die Wiener Methode der Bildstatistik, später international bekannt als ISOTYPE (International System of Typographic Picture Education). Charakteristisch ist der Einsatz standardisierter Piktogramme, mit denen Mengen nicht durch Größenverhältnisse, sondern durch Wiederholung dargestellt werden – ein Ansatz, der bis heute Informationsdesign prägt.

Visuelle Bildung als politisches Projekt

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den Anfängen in Wien über die internationale Verbreitung der Methode in Städten wie Berlin, Moskau und London bis hin zu ihrer Bedeutung für zeitgenössische Wissensvermittlung, Grafikdesign und Kunst. Thematisiert werden auch Vertreibung und Exil: Nach der Zerschlagung der Demokratie in Österreich 1934 wurde das Museum geschlossen, Neurath und sein Team setzten ihre Arbeit zunächst in den Niederlanden und später in England fort. Dort führte Marie Neurath das Isotype-Institut nach Neuraths Tod 1945 weiter.

Ergänzt wird die historische Perspektive durch künstlerische Positionen, die sich mit ISOTYPE als politischer und gestalterischer Methode auseinandersetzen. Die Ausstellung verdeutlicht, dass es bei dieser Bildsprache nie nur um Form, sondern stets um Haltung ging – um Klarheit, Zugänglichkeit und gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Information.

Begleitend erscheint ein umfangreicher Katalog mit mehr als 40 Beiträgen internationaler Autor*innen. Er gilt als erstes deutschsprachiges Standardwerk zu Otto Neurath und seinem Umfeld.

Ausstellung

Wissen für alle. ISOTYPE – die Bildsprache aus Wien

06. November 2025 – 05. April 2026

Wien Museum, Karlsplatz

Österreich

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